Das VitraHaus ist der jüngste Neuzugang auf dem Vitra Campus in Weil am Rhein. Das von den Schweizer Architekten Herzog & de Meuron für Vitra entworfene Gebäude dient in erster Linie als Ausstellungsfläche für die Vitra Home Collection.
2004 führte Vitra die Home Collection ein - eine zentrale Marketingplattform für Vitras umfassende Sammlung von Möbeln für Zuhause, die gleichzeitig eine klare Grenze ziehen sollte zwischen Vitras Aktivitäten im Wohn- und Heimbereich und Vitras Engagement im Büromöbelbereich.

Die Vitra Home Collection kombiniert Designmöbelklassiker solch großer Namen wie Charles und Ray Eames, Verner Panton oder George Nelson mit Arbeiten junger moderner Designer wie Jasper Morrison, Hella Jongerius oder Erwan und Ronan Bouroullec und bleibt so dem Collagen-Gedanken von Charles Eames treu: Die Zusammenstellung sorgfältig ausgewählter Produkte verschiedener Stile schafft eine individuelle, ausgeglichene Einrichtung, ein persönliches Zuhause.
Ursprünglich war die Vitra Home Collection in einem früheren Fabrikgebäude auf dem Vitra-Produktionsgelände ausgestellt. 2006 erhielt jedoch das Baseler Architekturbüro Herzog & de Meuron den Zuschlag zum Entwurf eines angemessenen Gebäudes, das die Vitra Home Collection permanent beherbergen sollte.
Das Ergebnis ist das VitraHaus.
Das VitraHaus gibt nicht nur der Vitra Home Collection ein Zuhause, sondern ist auch der jüngste Neuzugang auf dem sogenannten Vitra Campus, einer Sammlung von Gebäuden weltberühmter Architekten und Designer. Das VitraHaus ist das erste neue Gebäude auf dem Vitra Campus seit der Fertigstellung von Zaha Hadids Fire Station und Tadao Andos Konferenzpavilion im Jahre 1993.

Die Konstruktion des VitraHauses basiert auf einer klassischen Hausbauform, wirkt allerdings als seien die Häuser aus einer Strangpresse entstanden. Das VitraHaus besteht insgesamt aus 12 einzelnen Häusern; die einzelnen Bauelemente sind übereinander gestapelt, überschneiden und stützen sich gegenseitig.
Die Entscheidung, ein typisches Giebelhausdesign zu verwenden, rührte vor allem aus der Überlegung heraus, die Vitra Home Collection in einer häuslichen Umgebung auszustellen, nicht in einem kalten, unpersönlichen Lager. Diese häusliche Wirkung wird sowohl durch das äußere Erscheinungsbild des Hauses mit seinen einfachen Giebeldächern als auch durch die vertrauten Proportionen eines Wohnhauses im Inneren erreicht - Architekten sprechen hierbei von domestic scale. Um die Grundfläche des Gebäudes möglichst gering zu halten, entschied man sich, die Häuser übereinander zu stapeln. Außerdem wird so eine vertikale Struktur geschaffen, die einen Überblick (oder besser gesagt drei Überblicke) über die Landschaft der Umgebung, das Vitra Produktionsgelände und die Vitra Home Collection gibt.
Charakteristisch für das VitraHaus sind die verglasten Stirnseiten, die dem Haus seine zwei Facetten ermöglichen. Am Tage wird die Umgebung scheinbar in das Innere hineingezogen und wird fast Teil der Dekoration. Nachts hingegen gehen die schwarzen Außenwände in den Nachthimmel über, durch die Beleuchtung von innen projektiert das VitraHaus in die Nacht hinein und wird Teil der Umgebung. Es sieht aus, als würden mehrere Häuser über- und nebeneinander schweben.
Das VitraHaus wurde nicht von allen in Weil am Rhein uneingeschränkt befürwortet. Seine Lage am Rande der Stadt, neben den Weinhängen und am Fuße des Tüllinger Hügels gab Anlass zu Bedenken hinsichtlich der Form des Gebäudes und der anthrazitfarbenen Außenwände. In lokalen Zeitungen würde über eine Stadtversammlung vom November 2009 berichtet, in der der SPD-Stadtrat Jürgen Valley das VitraHaus eine Provokation nannte und meinte, es wäre nicht in Einklang zu bringen mit der Umgebung.

Der Architekt Jacques Herzog sieht das freilich anders. Für ihn bot das Projekt die seltene Gelegenheit, ein author driven project zu realisieren und wegzukommen von der development driven architecture. Für Herzog schafft das Stapeln und Verschachteln nicht nur eine Vielzahl neuer Formen und Räume sondern auch ein wunderbares Paradoxon: ein einfaches, vertrautes Haus-Design, das aufgrund der vielen Überschneidungen komplex wirkt. Diese wahrgenommene Komplexität wird noch erhöht durch die Verbindung der äußeren orthogonal-polygonalen Form und der organischeren inneren Form, die hauptsächlich durch die Wendeltreppen, die offenen Räume und kleinen Seitenfenster erzeugt wird.
Vitra verteidigt die Farbwahl als wichtigen Bestandteil des Designs. Das schwarze Äußere ermöglicht erst den Effekt der schwebenden Häuser, indem die Konstruktion mit der Dunkelheit verschmilzt. Außerdem ist das Anthrazit des VitraHauses ein großartiger Kontrast zum leuchtenden Weiß des benachbarten Vitra Design Museums von Frank Gehry.
Im VitraHaus können Besucher nicht nur die Produkte der Vitra Home Collection ausprobieren, das VitraHaus bietet auch einige interaktive Features:

Jeder Besucher des VitraHauses erhält einen persönlichen Schlüssel zum VitraHaus. Mit dieser Chipkarte können an den Terminals, die in jedem Raum stehen, Produktdetails, Information zu den Designern und die offizielle Preisliste der ausgestellten Artikel eingesehen werden. Besucher können an diesen Terminals auch einen eigenen Wunschzettel zusammenstellen, den sie an sich selbst oder die potentiellen Käufer schicken können. Bei der ersten Benutzung des VitraHaus-Schlüssels wird der Wohnsitz und die bevorzugte Sprache des Besuchers auf der Karte gespeichert. So erscheint die Information immer im richtigen Format, egal in welchem Raum der digitale Katalog aufgerufen wird, und die Besucher können ihren Wunschzettel entsprechend erweitern.
Im zweiten Stock des VitraHauses wurde ein La Chaise Sessel von Charles und Ray Eames vor einem kleinen Fotoapparat aufgestellt. Besucher haben also die Möglichkeit, ein Foto von sich in einem wahren Klassiker des amerikanischen Möbeldesigns des 20. Jahrhunderts zu machen. Das Foto wird auch auf der VitraHaus-Schlüsselkarte gespeichert und kann als kleine Erinnerung an den Besuch gemailt werden.
Im von Hella Jongerius gestalteten Farblabor können VitraHaus-Besucher mit Farben und Farbkombinationen experimentieren. Anhand von Stoffmustern und Plasteteilen in verschiedenen Farbtönen wird deutlich, wie Farben nebeneinander reagieren und welchen Einfluss das Material auf unsere Farbwahrnehmung hat. Wenn es nach Rolf Fehlbaum (Vitra Chairman) geht, soll das Vitra Farbprojekt den Besuchern helfen, selbstbewusster mit Farben umzugehen und fundiertere Entscheidungen hinsichtlich ihrer Wohneinrichtung zu treffen.
Montag - Sonntag: 10:00 - 18:00
VitraHaus, Charles-Eames-Straße, Weil am Rhein